Rollentausch?!

(Eine Anmerkung vorab: Entschuldigt die spontane Pause letzte Woche, ich hatte einfach zu viel um die Ohren und nicht die Ruhe, meine Gedanken zu sortieren. Dafür heute mal ein Einblick in meine aktuellen Gedanken, die mich, aufgrund einiger Begegnungen in den letzten Tagen, beschäftigen. Diese Themen werden uns sicherlich noch häufiger begegnen auf dem Blog, dann auch tiefgreifender. Heute aber erstmal eine einfache „Gedankenflut“.)

„Ach, da wird der Rollentausch ja schon früh geübt!“ Dieser Kommentar stammt von der Mutter eines kleinen Mädchens, die das Möhrchen sah, wie er seinen Lieblingsteddy im Puppen-Buggy über den Spielplatz spazieren fuhr.

Ja, unser Sohn darf mit Kuscheltieren und Puppenwagen spielen. Ich werde ihm sogar eine Puppe kaufen, wenn er Interesse daran zeigt. (Skandalös, ich weiß!) Er backt und kocht leidenschaftlich gerne mit mir (im Rahmen der Möglichkeiten eines 1,5 Jährigen) und liebt es, Tiere zu beobachten. Autos, LKWs und Bagger finden eher mäßig Anklang. Dafür sind Schrauben und Werkzeuge jeder Art immer wieder spannend. So, und jetzt? Spielt das denn irgendeine Rolle, ob er jetzt auf dem Spielplatz mit einem Bagger im Sandkasten sitzt oder mit Kuchenförmchen? Ist es in irgendeiner Form relevant, ob er nun einem Ball hinterherjagt oder seinen Teddy spazieren schiebt?

Ich war eigentlich der Meinung, dass sowas im Jahr 2020 nun wirklich keine Rolle mehr spielt, aber in letzter Zeit komme ich immer wieder in solche Situationen, in denen unser Lebensstil von außen betrachtet, für zumindest eine hochgezogene Augenbraue sorgt.

„Wie schön, dass du da die Unterstützung von deinem Mann hast!“ Der Kommentar einer Frau, mit der ich beruflich zu tun habe, darauf, dass der Mann auf das Möhrchen aufpasst, während ich arbeite.

Ja, ist es nicht unendlich großzügig von ihm, dass er es mir ermöglicht, unsere Familie zu ernähren? Bitte nicht falsch verstehen, ich bin wirklich dankbar, dass unser Modell so funktioniert und wir uns so organisieren können. Aber ich sehe es nicht so, dass ich die Unterstützung meines Mannes habe, um in Ruhe Geld verdienen zu können. In einer Familie gibt es verschiedenste Aufgaben, die erledigt werden müssen. Wir haben sie unter uns aufgeteilt. Also, ja, in gewissem Sinne unterstützen wir uns also beide gegenseitig. Aber ist es wirklich immer noch so besonders erwähnenswert, wenn sich ein Vater um sein Kind kümmert? Ist das ein Akt der Großzügigkeit gegenüber der Mutter oder nicht etwa einfach völlig normal?

Vielleicht einfach nochmal zum mitschreiben: Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert. Männer haben lange Haare, dürfen Gefühle zeigen und sich die Nägel lackieren. Frauen können Karriere machen und sich für Autos interessieren. Jeder kann lieben, wen er will und niemand hat sich ungefragt in das Privatleben anderer einzumischen. Ein Kind ist in erste Linie erstmal ein Kind. Jungen können sich für Puppen und Spielküchen interessieren, Mädchen dürfen ein Faible für Autos, Bagger und Werkzeug entwickeln. Wenn ich eines in den letzten Monaten gelernt habe, dann, dass Kinder ihre ganz eigenen Interessen entwickeln, wenn man sie denn lässt. Und warum sollten wir sie denn nicht lassen?

„Man sieht einfach, wie wohl sich der Kleine bei euch fühlt und wie glücklich er ist.“ Zitat einer guten Freundin, und eigentlich ja das einzige, was zählt.

„Komm Teddy, wir gehen.“

Ein Gedanke zu „Rollentausch?!“

  1. Wieso Rollentausch? Im 21. Jahrhundert sollte dieses Thema nun entgültig vom Tisch sein. Ich finde es einfach ganz natürlich wie ihr euer Leben gestaltet . Lasst euch durch so altmodische Äußerungen nicht in die Irre führen. Ihr macht das vollkommen richtig und es ist für mich auch absolut natürlich und selbstverständlich. LG Mama

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