Möhrchen-Update III

Im Moment ist einfach wirklich der Wurm drin. Da haben wir uns vorletzte Woche wieder voller Freude in unserem üblichen Rhythmus zurückgefunden, um ihn die Woche drauf direkt wieder völlig durcheinander gewirbelt zu finden. Aber so ist das eben manchmal.

Heute aber endlich nun das Möhrchen-Update, das ich euch schon vor zwei Wochen versprochen habe. Wir befinden uns gerade in einer ziemlich turbulenten Phase, was aber vermutlich weniger mit dem Möhrchen als mit mir zu tun hat. Ich habe nämlich entschieden, endgültig abzustillen. (Ja, wir stillen immer noch. Zum Einschlafen und nachts, häufig immer noch alle zwei Stunden). Wenn es nach dem Möhrchen ginge, würden wir das gefühlt vermutlich noch ewig so weiter machen, aber ich merke einfach, dass meine körperlichen Grenzen erreicht sind (wenn nicht eigentlich schon überschritten). Der Schlafmangel, gepaart mit der körperlichen Anstrengung, die das Stillen (zumindest für mich) mit sich bringt, fordern langsam ihren Tribut.

Aktuell ist das Möhrchen von dem Konzept „ohne Stillen Einschlafen“ noch wenig überzeugt und es erfordert eine sehr lange, leider nicht ganz Tränen-freie, Einschlafbegleitung und endet häufig an einem sehr frühen Morgen. Aber wir bleiben dran und es wird sich mit der Zeit sicherlich bessern. (Bis dahin läuft die Kaffeemaschine eben in Dauerbetrieb.)

Aber vom etwas schleichenden Abstill-Prozess abgesehen, tut sich hier gerade auch unglaublich viel. Das Möhrchen ist jetzt 18 Monate alt und entwickelt gefühlt täglich neue Fähigkeiten. Angefangen bei so kleinen Feinheiten wie dem Winken. Langsam wechselt er vom klassischen „Baby-Winken“, mit der sich öffnenden und schließenden Hand zum Winken mit der sich hin und her bewegenden offenen Hand. (Winken lässt sich irgendwie wirklich schwer beschreiben.)

Die größte Entwicklung ist wohl die immer deutlicher werdende Kommunikation. Nein, das Möhrchen hat noch nicht begonnen zu sprechen. (Keine Sorge, wenn das passiert, erfahrt ihr es sicher sofort über eine Insta-Story.) Seine Sprache beschränkt sich im Moment noch auf „Mama“, „Baba“ (Papa) und „Eieiei“ gepaart mit vielen „Ah“. [Und „dadou dadou dadou“. Und „brrrrpft“.] Aber er hat seine eigene Art mit uns zu kommunizieren entwickelt. Durch Zeigen, Nicken, Kopfschütteln, usw. kann er inzwischen ganz deutlich machen, wenn er etwas haben möchte, ihm etwas schmeckt oder ihm gerade etwas nicht passt. [Oder er Musik hören möchte, Musikvideos schauen möchte, fangen spielen will, seinen Teddy in den Kinderwagen legen und schieben möchte …] (Es wird natürlich nochmal deutlich leichter, wenn er tatsächlich sprechen kann, aber ich finde es einfach super faszinierend, wie gut die Kommunikation auch ohne Sprache funktionieren kann.) Auch versteht er offensichtlich immer besser, was wir sagen und weiß ganz genau, was wir möchten, wenn wir ihn bitten die Musik auszumachen (er hat eine Toniebox, mit der er das schon super hinbekommt) oder beim Tisch decken zu helfen (ich wusste gar nicht, mit wie viel Stolz man die Butter zum Esstisch tragen kann). Das ist übrigens eine Tatsache, die uns jetzt vor ganz neue Probleme stellt. Wir müssen langsam aber sicher deutlich mehr darauf achten worüber (und vor allem auch wie) wir uns so den ganzen Tag in des Möhrchens Anwesenheit unterhalten. (Wer weiß, ab wann er plötzlich anfängt, bestimmte Worte nachzuplappern.)

Neben der sprachlichen/kommunikativen Entwicklung, geht es körperlich im Moment auch wieder sehr schnell. Er übt rückwärtslaufen, stampfen, hüpfen und der Tanzstil wurde ausgebaut, so dass neben Headbangen jetzt auch mit den Armen wedeln, sich Drehen und Popo-Wackeln fester Bestandteil des Repertoires sind. Jeden Tag stehe ich da und frage: „Wann bist du denn so groß geworden, dass du da schon ran kommst?“ Erst wurden diverse Dinge von Kommoden und Arbeitsflächen geangelt, die gestern doch noch unerreichbar schienen, dann werden plötzlich Lichtschalter betätigt. Und der aktuelle Höhepunkt für mich: Da macht das Möhrchen einfach so die Wohnungstür bei meinen Eltern auf, weil er mit ein bisschen Strecken plötzlich ganz leicht an die Türklinke kommt und dieses Modell offensichtlich nicht sonderlich schwergängig ist.

Kleidergröße 92 droht schon wieder zu klein zu werden, wo wir doch gefühlt gestern erst auf die 80 umgestiegen sind und neue Schuhe müssen jetzt auch sehr bald wieder her. Mit seinen 18 Monaten hat er die 85cm plötzlich einfach so erreicht und wächst und wächst und wächst. (Ja, ich weiß, das ist normal und gut so, aber… er ist doch noch mein kleines Baby…)

So langsam scheinen sich auch eigene Interessen heraus zu bilden. Alles, was mit Werkzeug und Schrauben zu tun hat, ist immer gut. Am Wochenende durfte er helfen, ein neues Regal für die Küche aufzubauen. Ich habe das Kind selten so lange so konzentriert bei einer Sache erlebt wie damit, die großen (nicht spitzen und natürlich nur unter meiner Aufsicht zugänglichen) Schrauben in die vorgesehenen (und auch nicht dafür vorgesehenen) Löcher zu manövrieren. Außerdem scheint Wasser eine immer größere Faszination darzustellen. Baden wird langsam immer erträglicher, es klappt inzwischen ohne weinen und man bekommt fast den Eindruck, als hätte das Möhrchen so etwas Ähnliches wie Spaß daran. (Baden war bisher immer ein Kraftakt mit vielen Tränen und Haarewaschen im Schnelldurchlauf) Aber vor allem ist er furchtbar davon fasziniert, mit Wasser zu matschen. Man stelle eine Schale mit Wasser vor das Kind auf die Arbeitsfläche und schon kann man in einer Seelenruhe kochen, das kann man sich kaum vorstellen. (Okay, danach muss man auch erstmal das Kind und die Küche wieder trockenlegen, aber hey, er hatte Spaß und ich konnte Kochen ohne dabei ein Kind auf dem Arm oder am Bein hängen zu haben.) Ansonsten nehmen Bücher (sehr zur Freude unser beider Literaturliebhaber-Eltern-Herzen!) immer noch einen großen Platz im Möhrchen-Universum ein. Das aktuelle Lieblingsbuch ist wohl „Umarmst du mich mal?“, dicht gefolgt von „Langsam, lustig, laut und leise, jeder machts auf seine Weise“ und „Pinguin Pit“. (Sowohl den Mann, als auch mich, könnte man vermutlich nachts aus dem Tiefschlaf reißen und wir könnten diese drei Bücher aus dem Stand rezitieren.) [Das Kind mag aber nicht nur Schrauben und Wasser. Er liebt seine Kuschelbären und kann auch zwischen „Bärtram“, „Teddy“ und „Bärchen“ unterscheiden. Er liebt Fangen-Spielen und Verstecken-Spielen (in der Anfängervariante, bei der ich mich hinter dem Sofa verstecke). Er headbangt gerne und lässt sich dann doch von mir auf den Arm nehmen, um gemeinsam zu tanzen. Er kuschelt sich beim Vorlesen häufig an, sitzt aber auch manchmal mit einem Buch neben mir, wenn ich auch lese und schaut konzentriert in die Seiten. Er spielt gerne mit dem Staubsauger und dem Wischmop. Wenn man ihm ein Plüschtier unter das Oberteil schiebt, und fragt „Wo ist das Bärchen?“, dann zuckt er mit den Schultern. Dinos sind cool. Er ist wahnsinnig kitzlig. Wenn man ihn fragt „Bist du ein Frechdachs?“ dann nickt er und grinst. Und so weiter.- Der Mann, Hauspapa mit Leib und Seele]

Zusammenfassend: Wir haben hier jetzt endgültig und nicht mehr zu verleugnen ein Kleinkind. Das bedeutet auch für uns Eltern wieder eine völlig neue Welt. Altbewährte Beschäftigungen sind jetzt langweilig und nicht mehr spannend genug. Dinge, die man mal eben so nebenbei erledigen konnte, müssen jetzt so erledigt werden, dass das Kind „mithelfen“ kann. (bspw. ein Regal aufbauen oder die Spülmaschine ausräumen.) Neue Ideen für Spiele müssen her und so langsam kann man auch mal in die Richtung Malen und Basteln denken. (Ich freu mich ja so so, so sehr auf die Zeit, wenn wir zusammen basteln können. Hoffentlich hat das Möhrchen daran auch so viel Spaß wie ich.) Spazieren gehen funktioniert zwar noch mit Kinderwagen zum Mittagsschläfchen machen, aber sonst ist der Kinderwagen meist schnell zu langweilig und die Welt wird lieber (zumindest für kurze Strecken) auf den eigenen zwei Beinen erkundet. (Natürlich bleibt das Kind dabei nur ungern an Mamas oder Papas Hand, womit Dem-Kind-Hinterherhechten der neue Familiensport hier wird.)

Man sieht schon, es wird sicher nicht langweilig hier bei uns und ich bin schon sehr gespannt, von welchen Möhrchen-Abenteuern ich euch in Zukunft noch so berichten darf!

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