Meilensteine

Ich kann es immer noch nicht ganz glauben, aber das Möhrchen ist auf dem besten Wege, zu laufen. Also so richtig. Er schafft inzwischen schon den Weg von unserer Küche ins Wohnzimmer. (Ganz alleine und mit so einem stolzen Strahlen in den Augen!) Dieser Meilenstein schien mir vor einem Monat noch so weit entfernt und jetzt ist er doch ganz plötzlich schon fast geschafft.

Es ist unglaublich, wie viele solcher Meilensteine das Möhrchen schon erreicht hat und mit welchem Tempo er immer auf den nächsten zurast [Und das nicht nur metaphorisch gesprochen. Der Kleine ist schnell!]. Vom ersten Lachen, über das erste Aufsetzen zum ersten Stehen, jetzt also die ersten Schritte. Und dazwischen noch so viele kleine und große Meilensteine, dass mir als Mama beim Gedanken daran schon ganz schwindlig wird. Und auch, wenn wir gerade dabei sind, uns darüber zu freuen, dass er jetzt schon das Laufen meistert, ertappe ich den Mann und mich immer wieder dabei, wie schön wir es doch fänden, wenn er „endlich“ reden könnte. (Schrecklich, oder? Auf der einen Seite immer „die Zeit vergeht viel zu schnell, bleib doch noch ein bisschen unser kleines Baby“ und auf der anderen Seite „ach, wenn du doch nur schon XYZ könntest“. Wir Eltern wissen auch nie, was wir wollen.) [Naja, doch. Schlaf.]

Als Eltern fiebert man diesen Meilensteinen in der Entwicklung eben oft regelrecht entgegen. Man feuert das Kind an, wenn es die ersten Versuche macht, sich selbstständig in die Bauchlage zu drehen, genauso wie man bei den ersten wackeligen Schritten dabeisteht und aus dem „Super! Du schaffst das! Prima!“ gar nicht mehr rauskommt. Diese Errungenschaften in der Entwicklung werden in Alben festgehalten, die Daten werden notiert und es werden besondere Fotos davon gemacht. Kennt ihr diese Meilensteinkarten? Mit denen man so wahnsinnig schöne Bilder machen kann? „Ich bin eine Woche alt!“, „Ich habe das erste Mal gelacht!“, „Der erste Zahn ist da!“, usw.? Irgendwie ist das bei uns leider etwas untergegangen, die Idee kam mir erst letzte Tage, aber viele Meilensteine sind ja schon vorbei und nachstellen ist in diesem Fall ja etwas schwierig. (Ich glaube auch kaum, dass das Möhrchen noch in seinen Body in Größe 50 passt.) Vielleicht schaffen wir es bei einem potentiellen zweiten Baby. (Wäre das dann unfair dem Möhrchen gegenüber? Oje, das mit zwei Kindern ist mir ja in der Theorie schon zu kompliziert…) [Also, wir haben mehr als genug Fotos, dem Smartphone sei Dank, wir haben nur keine Karten gekauft bzw. gebastelt, aber das kommt sicher auch noch. Spätestens zur Hochzeit vom Möhrchen.]

Jedenfalls haben mich diese Überlegungen auf etwas anderes gebracht, das auch immer irgendwie untergeht: Unsere Mama-Meilensteine. (Und Papa-Meilensteine natürlich auch!) Wir durchlaufen schließlich auch eine Entwicklung. Von kinderlos zu Eltern. Und das auch im Schnelldurchlauf. Wo sind unsere Meilensteinkarten? Ich hätte da einige im Kopf, die sich sicher gut machen würden. (Liebe Meilensteinkarten-Industrie: Finger weg, das ist meine Millionen-Dollar-Idee!) Da hätten wir zum Beispiel „Ich bin heute das erste Mal angepinkelt worden!“, „Ich habe das erste Mal einhändig gekocht!“, „Der erste blaue Fleck, den mir ein unglücklicher Tritt meines Kindes eingebracht hat!“ [„Der erste unglückliche Tritt, den das Kind bei mir als Papa gelandet hat!“, „Das erste Mal vom Kind auf die Füße geschissen und dann beim Aufwischen auf den Rücken gepinkelt bekommen!“, „Das zweite Mal vom Kind in die Klöten getreten worden“, „Das erste Mal ein freudiges ‚Baba‘ gehört, als Mama gerade wickelt“, wobei diese Karte auch mit dem ersten Wort koinzidiert und natürlich „Vom Kind endgültig davon überzeugt worden, dass es kein Geschwisterchen will“. – Der Mann, hat auch Ideen.]

Hier ist schon mal der erste Prototyp für meine Mama-Meilensteinkarten. Ich finde, das hat durchaus Potenzial! (Habt Nachsehen mit mir, ich bin noch neu mit dem Nachbearbeiten am PC.)

Und diese Liste könnte ich noch ewig so fortführen, aber Spaß beiseite, es gibt wirklich ein paar Meilensteine als Mama, die ich im Nachhinein gerne bewusster wahrgenommen hätte. Zum Beispiel der Moment, in dem ich das erste Mal entschieden habe, einfach auf mein Bauchgefühl zu vertrauen, anstatt zwanzig verschiedene Ratgeber zu befragen. Zugegeben, es war, nachdem ich zu dem Thema schon einiges gelesen hatte. Aber dieser Moment, in dem ich beschlossen habe „Okay, die können mich jetzt alle mal gern haben, ich mache das nach meinem Bauchgefühl“ hat wahnsinnig viel gelöst und mich deutlich entspannter gemacht. (Es ging übrigens um Beikost und das ganze Thema Gläschen vs. Selbstgekocht usw.) Oder auch der Tag, an dem ich das erste Mal alleine mit Baby einkaufen war. Klar, es gibt entspanntere Situationen. (Und das wird mit Kleinkind, wenn dann erst mal die Trotzphase an die Tür klopft, sicherlich nicht gemütlicher) Aber dieses allererste Mal das ganze alleine mit Baby hinter sich gebracht zu haben hat sich doch irgendwie gut angefühlt. (Einfach nur um zu wissen, okay, auch wenn es nicht schön ist, es ist machbar und ich kann das.)

Und ein weiterer großer Meilenstein in meiner Mama-Entwicklung: Der Tag, an dem ich das erste Mal beruhigt alleine aus dem Haus gegangen bin und das Möhrchen beim Mann gelassen habe.  Etwas, das ich jetzt mit dem Wiedereinstieg in den Beruf ja täglich mache und was eigentlich absolut normal sein sollte, für mich aber gar nicht so einfach und locker war. Natürlich weiß ich, dass der Mann das super hinbekommt und dass ich ja auch nicht aus der Welt bin, wenn irgendetwas sein sollte, aber es ist eben trotzdem ein komisches Gefühl und hat mich viel Überwindung gekostet. (Nein, ich bin keine Glucke, also keine sonderlich große. Denke ich. Na gut, vielleicht glucke ich manchmal ein kleines bisschen. Aber das Möhrchen ist nun mal mein Baby und ich will doch einfach nichts verpassen.) [Du gluckst überhaupt nicht und du machst einen unglaublich guten Job! – Der Mann, kitschig] (Ist er nicht süß?)

Zur wundervollen und so unglaublich beeindruckenden Entwicklung, die ein Kind durchläuft, gehört eben auch die Entwicklung der Eltern und auch wir haben unsere ganz persönlichen Meilensteine, die wir auf diesem so ereignisreichen Weg passieren dürfen. Ich glaube, es ist manchmal ganz hilfreich, sich auch seine eigene Entwicklung vor Augen zu führen. Es fällt eben keine Mama und kein Papa einfach so vom Himmel. Es ist uns nicht in die Wiege gelegt, perfekt in die Rolle zu passen und mit allen Situationen, in die man als Eltern so rutscht, entspannt und möglichst noch nach Lehrbuch umzugehen. So wie die Kleinen lernen, auf eigenen Füßen durch das Leben zu gehen, lernen wir, sie dabei zu begleiten. Von Meilenstein zu Meilenstein. In unserem ganz eigenen Tempo. Wie sagt man so schön? Als Familie zusammen wachsen und zusammenwachsen.

Und damit wünsche ich euch einen tollen Start in die Woche und wir lesen uns hoffentlich nächsten Montag wieder!

2 Gedanken zu „Meilensteine“

  1. Das mit dem Eltern Meilensteine ist ne richtig schöne Idee.
    Aber nur mal so es kommt wirklich der Tag wo man sich denkt, Kind warum kannst du nicht endlich mal aufhören zu reden und damit is noch garnicht das nervige 1000 mal hintereinander Mama gemeint. 😉
    Liebe Grüße conny

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    1. Dankeschön! 🙂 Ich plane schon die nächsten Meilenstein-Karten, mal sehen wann ich dazukomme sie auch wirklich umzusetzen.
      Das mit dem Reden kann ich mir sehr gut vorstellen! 😂
      Liebe Grüße
      Alex

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